Bildungschancen in Deutschland
Wie geht unser Schulsystem mit kultureller Unterschiedlichkeit um?

Im internationalen Vergleich wird deutlich, dass das deutsche Schulsystem Probleme im Umgang mit kultureller Unterschiedlichkeit hat. Eine Gleichbehandlung erfordert auch, dass Ungleiches ungleich behandelt wird.
Vergleicht man das deutsche Bildungssystem international, so sind wesentliche Unterschiede im Umgang mit der Verschiedenheit der Schüler erkennbar. So ist unser Bildungssystem besonders selektiv und unterscheidet besonders früh nach Schulformen, um den Begabungen der Schüler gerecht zu werden.
In allen deutschen Bundesländern besteht jedoch eine starke Überlappung in den Leistungen der Schüler unterschiedlicher Schulformen. Ein hoher Anteil an Schülern könnte seinem Leistungsniveau nach eine höhere Schulform besuchen. Am größten ist dieser Anteil in den Bundesländern, die sich am stärksten für den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems einsetzen. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass es in Deutschland nur schwer möglich ist, die Schulform zu wechseln. Starke Leistungsunterschiede bestehen auch zwischen Schulen derselben Schulform.
In Deutschland sind die Bildungslaufbahn und die Lernresultate besonders eng verknüpft mit sozialer Herkunft. Sogar bei gleichen Leistungen ist die Zahl der Schüler, die nach der Grundschule ein Gymnasium besuchen, unter Akademikern mit Abstand am höchsten.
Häufiger als in vielen anderen Ländern werden Schüler, die das Klassenziel nicht erreichen, auf eine niedrigere Schulform überwiesen. Schüler mit „auffälligem“ Verhalten werden sehr oft ausgesondert und auf Sonderschulen geschickt. Es ist in Deutschland besonders schwierig, Behinderte in Regelschulen einzugliedern.
Schüler mit Migrationshintergrund
Die Bundesrepublik ist im Vergleich mit anderen Ländern, die eine hohe Migrantenpopulation haben, weniger erfolgreich bei der Integration von Schülern mit Migrationshintergrund. Ist der Anteil an Schülern, deren Umgangssprache nicht Deutsch ist, höher als 20 Prozent, so sind wesentlich schwächere Leistungen an der Schule zu verzeichnen.
Die geringeren Schulleistungen von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland bestätigen die Daten des Hessischen Landesamtes für die Stadt Frankfurt. So werden Frankfurter Schüler mit ausländischem Pass bereits bei der Einschulung öfter zurückgestellt als Schüler mit deutschem Pass.
Grundschulklassen sowie die fünfte, siebte und elfte Jahrgangsstufe wiederholen die ausländischen Schüler öfter als deutsche. Auch besuchen sie nach der Grundschule häufiger Haupt- und Realschulen. Schon aus niedrigeren Schuljahrgangsstufen verlassen ausländische Kinder öfter die allgemeinbildende Schule und erlangen minderwertigere Schulabschlüsse.
In der Bundesrepublik beruht die Ausbildung der Lehrer auf Prinzipien des gegliederten Schulsystems. Diese bereitet die angehenden Lehrkräfte oft unzureichend auf die sprachlich-kulturelle Unterschiedlichkeit der Schüler vor. So bleibt im Rahmen der Ausbildung oft unberücksichtigt, ob sich der künftige Lehrer mit dieser Unterschiedlichkeit in den Schulklassen und den Folgen für den Unterricht und das Schulleben auseinandergesetzt hat.
Weitere Informationen:
Projekt „Xenos – Verständnis der Kulturen“
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